Eine Kilowattstunde kann an verschiedenen Stellen gezählt werden

Der Stromzähler am Ladeanschluss und die Energieanzeige im Auto müssen nicht denselben Wert liefern. Zwischen Netzbezug und gespeichertem Energieinhalt laufen technische Prozesse ab. Beim Laden mit Wechselstrom wandelt das Bordladegerät den Strom um; außerdem benötigen aktive Fahrzeugsysteme Energie. Der ADAC hat diese Unterschiede in einer im August 2026 vorgestellten Untersuchung an fünf Elektroautos betrachtet.

In dieser Stichprobe lagen die Verluste beim Laden an der Wallbox mit der jeweils höchsten unterstützten Leistung unter sieben Prozent. An der Haushaltssteckdose mit 2,3 Kilowatt fielen sie bei allen fünf Testwagen höher aus. Diese Ergebnisse beziehen sich auf die untersuchten Fahrzeuge und Bedingungen. Sie sind kein pauschaler Verlustsatz für sämtliche Elektroautos oder jede Ladesituation.

Die häufigste Rechenfalle: zehn Prozent sind nicht einfach plus zehn

Angenommen, zehn Prozent der aus dem Netz bezogenen Energie stehen anschließend nicht im Akku zur Verfügung. Dann bleiben von 100 Kilowattstunden Netzbezug 90 Kilowattstunden im Speicher. Wer 18 Kilowattstunden speichern möchte, benötigt in diesem vereinfachten Beispiel 20 Kilowattstunden aus dem Netz: 18 geteilt durch 0,90. Die Differenz beträgt zwei Kilowattstunden.

Wird für dieses Rechenbeispiel ein Strompreis von 0,30 Euro je Kilowattstunde angesetzt, kosten die 20 Kilowattstunden sechs Euro. Eine Kalkulation allein mit den 18 gespeicherten Kilowattstunden ergäbe 5,40 Euro. Die hier verwendeten zehn Prozent und der Strompreis sind frei gewählte Annahmen. Sie stellen weder einen aktuellen Tarif noch eine Prognose für ein bestimmtes Auto dar.

Verbrauchswerte nicht doppelt korrigieren

Bevor man einen Verlustaufschlag berechnet, muss klar sein, was der Ausgangswert enthält. Der ADAC berücksichtigt Ladeverluste in seinen Ecotest-Verbrauchsangaben. Wer auf einen solchen Wert pauschal noch einmal Ladeverluste aufschlägt, würde denselben Effekt doppelt berücksichtigen. Eine Bordcomputeranzeige und ein auf Netzbezug beruhender Testverbrauch sollten deshalb nicht ohne Blick auf die Messmethode gegeneinander gestellt werden.

Für die eigene Kostenrechnung ist ein einfacher Ansatz oft belastbarer: die tatsächlich abgerechnete Energiemenge mit dem tatsächlich geltenden Preis multiplizieren. Grundgebühren, Zeitpreise oder zusätzliche Gebühren kommen gegebenenfalls separat hinzu. Soll der Betrag auf 100 Kilometer umgelegt werden, müssen die gefahrene Strecke und die Ladeabrechnung denselben Zeitraum möglichst vollständig abdecken.

Eine einzelne Ladung ist selten ein guter Vergleich

Start- und Endladestand, Temperatur und Nebenverbraucher können sich zwischen Ladevorgängen unterscheiden. Auch die Anzeige des Ladestands ist keine Labormessung des Energieinhalts. Ein einzelner Vergleich von Prozentpunkten und Zählerstand liefert deshalb keine präzise allgemeine Verlustquote. Wer sein eigenes Laden beobachten möchte, sollte mehrere vergleichbare Vorgänge auswerten und die Bedingungen notieren.

Aufschlussreicher als ein vermeintlich exakter Einzelwert ist dann die wiederkehrende Größenordnung. Bleiben große, unerklärte Abweichungen, sollten zunächst die Messgrenzen und Einstellungen geprüft werden. Für technische Auffälligkeiten sind die Herstellerinformationen beziehungsweise ein qualifizierter Service zuständig; aus einer Kostenübersicht allein lässt sich kein Batteriedefekt diagnostizieren.

Was sich daraus für den Alltag ableiten lässt

Die wichtigste Verbesserung beginnt mit sauberen Begriffen: Netzbezug, gespeicherte Energie und Fahrverbrauch sind getrennte Größen. Notieren Sie beim Vergleich, welche davon eine Quelle tatsächlich misst. Dann lässt sich ein günstiger Tarif mit dem realen Energiebedarf verbinden, ohne Verluste zu vergessen oder zweimal anzusetzen. Eine Wallbox kann zudem beim regelmäßigen Laden sinnvoll sein; die konkrete Installation gehört in die Hände einer Elektrofachkraft.

Transparent recherchiert

Quellen zu dieser Geschichte

Unsere Einordnung stützt sich auf die folgenden Originalquellen. Angaben von Herstellern und Organisationen werden als solche eingeordnet.

  1. Strom, der verpufft: Untersuchung von Ladeverlusten ↗ADAC · 06. August 2026
  2. Reichweite und Verbrauch im ADAC Ecotest ↗ADAC
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